Lehrermangel in Niedersachsen

Für alle Schulformen fehlen Lehrer

FDP-Fraktion kritisiert die Unterrichtsversorgung im laufenden Schuljahr

Hannover. An Niedersachsens Schulen ist die Unterrichtsversorgung in diesem Schuljahr voraussichtlich noch schlechter als 2019. Vor allem an Haupt-, Ober-, Förder- und Realschulen fehlen wieder Pädagogen. Die prognostizierte Unterrichtsversorgung beträgt aktuell 98,18 Prozent. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Antwort der Landesregierung auf Anfrage der FDP-Fraktion hervor.

FDP: Zu wenig Lehrer eingestellt

Der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling moniert: "Dem Kultusminister ist es nicht gelungen, genügend Lehrkräfte für den tatsächlichen Bedarf einzustellen, aber nicht nur wegen des Lehrermangels, sondern auch, weil zu wenig Stellen ausgeschrieben worden sind." Noch fataler sei es, dass das Land Niedersachsen im kommenden Haushaltsjahr sogar noch mehr als 700 Stellen kürzen wolle. Försterling sagt dazu: "Aus unserer Sicht ein falsches Zeichen bei knapp 25000 Fehlstunden pro Woche. Dabei sind Fort- und Weiterbildungen, Krankheitsausfälle, Mutterschutz und Elternzeit noch nicht einmal eingerechnet."

Wie bereits in den vergangenen Jahren seien insbesondere die Förder-, Haupt-, Real- und Oberschulen von der schlechten Unterrichtsversorgung betroffen. Auch an den Grundschulen hat sich die Lehrerversorgung um ein Prozent verschlechtert. Auch die Gymnasien sind deutlich schlechter versorgt, die Prognose kommt bei dieser Schulform lediglich auf 98 Prozent. Offenbar habe das Land ignoriert, dass in diesem Schuljahr wegen der Rückkehr zu G 9 erstmals wieder 13 Jahrgänge zeitgleich unterrichtet werden müssen, meint die FDP. Das Kultusministerium hatte aber stets betont, dass man für die Gymnasien schon seit zwei Jahren deswegen über Bedarf Lehrer eingestellt habe.

Um den Lehrermangel an den Sekundarschulen zu beheben, fordert Försterling, endlich auch Grund-, Haupt- und Realschullehrer nach A 13 zu besolden wie Sonderpädagogen und Gymnasiallehrer. "Es kommt einfach niemand nach Niedersachsen, wenn er weiß, dass er am Ende des Monats deutlich weniger auf dem Konto hat, als in anderen Bundesländern."

Interaktive Karte gibt Überblick

Die niedersächsische FDP hat für einen Überblick eine interaktive Karte im Internet herausgegeben (zu finden unter www.fdp-fraktion-nds.de/unterrichtsversorgung-schulen-niedersachsen), auf der jeder Interessierte selbst sehen kann, wie die Schulen in der jeweiligen Region aufgestellt sind. Die Unterrichtsversorgung wird an einem bestimmten Stichtag am Schuljahresanfang ermittelt und bezeichnet das Verhältnis zwischen Lehrer-Soll- und Lehrer-Ist-Stunden zu diesem Zeitpunkt. Durch nachträgliche Einstellungen oder kurzfristige Ausfälle, wenn Lehrkräfte dauerhaft erkranken oder schwanger werden, kann sich der Wert natürlich noch deutlich verändern.

Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 28.10.2020, Seite 6
Von: Saskia Döhner